{"id":454,"date":"2013-12-24T10:20:29","date_gmt":"2013-12-24T09:20:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.keinblatt.de\/blog\/?p=454"},"modified":"2025-04-02T09:21:42","modified_gmt":"2025-04-02T07:21:42","slug":"naziraubkunst-finanzministerium-proklamiert-sonderrechte-und-verweigert-bildherausgabe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.keinblatt.de\/blog\/naziraubkunst-finanzministerium-proklamiert-sonderrechte-und-verweigert-bildherausgabe\/","title":{"rendered":"Gibt schiefes Bild ab \u2013 Finanzministerium verweigert Herausgabe von Naziraubkunst mit schr\u00e4ger Begr\u00fcndung"},"content":{"rendered":"<p><strong>Von unserem Gastautor Frank Otto<\/strong><\/p>\n<p>Das Bundesfinanzministerium verweigert die R\u00fcckgabe zweier Bilder des italienischen Barockmalers Canalratto. Das 50 mal 80 cm gro\u00dfe Werk &#8222;K\u00fcchenschaben&#8220; zeigt einen Prachtblick auf Dresden aus Sicht zweier Wanderschaben. &#8222;Karls Kirsche auf Knien&#8220; stellt indes die S\u00fcdseite einer sonnenbeschienenen Piemontkirsche dar, die auf Karls des F\u00fcnften fr\u00fch gealterten Knien liegt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_455\" aria-describedby=\"caption-attachment-455\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.keinblatt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/800px-Canaletto_Dresden_unterh_Augustusbruecke.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-455\" src=\"https:\/\/www.keinblatt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/800px-Canaletto_Dresden_unterh_Augustusbruecke-300x161.jpg\" alt=\"Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbr\u00fccke\" width=\"300\" height=\"161\" srcset=\"https:\/\/www.keinblatt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/800px-Canaletto_Dresden_unterh_Augustusbruecke-300x161.jpg 300w, https:\/\/www.keinblatt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/800px-Canaletto_Dresden_unterh_Augustusbruecke-624x336.jpg 624w, https:\/\/www.keinblatt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/800px-Canaletto_Dresden_unterh_Augustusbruecke.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-455\" class=\"wp-caption-text\">Panoramablick auf das pr\u00e4chtige Dresden. Bild: <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:CanalettoDresden_oberhAugBrck.JPG\" target=\"_blank\">Bernardo Bellotto<\/a> \/ Lizenz: Public Domain<\/figcaption><\/figure>\n<p>Aufk\u00e4ufer der Nazis hatten diese und andere Bilder des j\u00fcdischen Kunstliebhabers und Sammlers Karl Emden seinerzeit weit unter Preis erworben. keinblatt.de wollte wissen, ob denn hier nicht mit zweierlei Ma\u00df gemessen werde. Der Staat verlange im Falle Gurlitts radikale Aufkl\u00e4rung \u00fcber die Herkunft der Bilder. Eine Ma\u00dfgabe, die f\u00fcr das Ministerium offenbar nicht gelte.<\/p>\n<p>Jochen Lachsschaum, Sprecher des Bundesfinanzministeriums:<\/p>\n<blockquote><p>Von zweierlei Ma\u00df kann nicht die Rede sein. Gurlitt ist ein B\u00fcrger und muss also seinen B\u00fcrgerpflichten nachkommen. Von einer Ministerialpflicht wei\u00df ich nichts. Die Gesetze gelten selbstverst\u00e4ndlich f\u00fcr alle. Dennoch haben Staatsorgane weitergehende Befugnisse, was kein Widerspruch ist. Staatsorgane d\u00fcrfen etwa auf beliebige deutsche Bankkonten zugreifen. Dies ist im Sinne aller, da jeder B\u00fcrger ein Interesse daran hat, dass alle anderen auch ihre Steuern sauber abf\u00fchren und dass das entsprechend kontrolliert wird. Als Finanzministerium stehen wir per definitionem \u00fcber den Finanz- und Eigentumsdingen. Wenn wir daher sagen, wir seien der rechtm\u00e4\u00dfige Besitzer, dann ist das so und Sie k\u00f6nnen es uns gerne glauben.<\/p>\n<p>Im Zeitalter der Transparenz erkl\u00e4re ich Ihnen aber dennoch gerne die Sachlage zum Mitschreiben: Die Nazis haben die Werke ordentlich bezahlt und quasi an Nachkriegsdeutschland vererbt. Damit sind wir der rechtm\u00e4\u00dfige Eigent\u00fcmer. Dass die Bilder von Max Emden damals ver\u00e4u\u00dfert wurden, geschah wahrscheinlich deshalb, weil er Geld im Exil brauchte, denn die Nazis hatten ihn wohl enteignet, sagen manche. Wenn es sich so verh\u00e4lt, ist das bedauerlich, aber leider nicht Sache unseres Ministeriums. Wir k\u00f6nnen ja nicht die Vergangenheit \u00e4ndern, diese Befugnis haben auch wir nicht.<\/p><\/blockquote>\n<p>Weitere Fragen von keinblatt.de blockte Lachsschaum ab, mit dem Verweis, gleich sei es 12 und Mittag. Die Rechtslage ist und bleibt prek\u00e4r in Sachen Raubkunst. keinblatt.de wird weiter berichten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von unserem Gastautor Frank Otto Das Bundesfinanzministerium verweigert die R\u00fcckgabe zweier Bilder des italienischen Barockmalers Canalratto. Das 50 mal 80 cm gro\u00dfe Werk &#8222;K\u00fcchenschaben&#8220; zeigt einen Prachtblick auf Dresden aus Sicht zweier Wanderschaben. &#8222;Karls Kirsche auf Knien&#8220; stellt indes die S\u00fcdseite einer sonnenbeschienenen Piemontkirsche dar, die auf Karls des F\u00fcnften fr\u00fch gealterten Knien liegt. 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