{"id":168,"date":"2013-08-29T22:04:42","date_gmt":"2013-08-29T20:04:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.keinblatt.de\/blog\/?p=168"},"modified":"2019-02-15T18:48:12","modified_gmt":"2019-02-15T17:48:12","slug":"erna-m-96-weiss-nichts-von-euro-einfuehrung-deutschlands-letzte-dm-frau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.keinblatt.de\/blog\/erna-m-96-weiss-nichts-von-euro-einfuehrung-deutschlands-letzte-dm-frau\/","title":{"rendered":"Erna M. (96): wei\u00df nichts von Euro-Einf\u00fchrung \u2013 Deutschlands letzte DM-Frau"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_169\" aria-describedby=\"caption-attachment-169\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.keinblatt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/4332030975_220ef3651a_b-Bearbeitet.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-169\" src=\"https:\/\/www.keinblatt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/4332030975_220ef3651a_b-Bearbeitet-280x300.jpg\" alt=\"Erna M.\" width=\"280\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.keinblatt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/4332030975_220ef3651a_b-Bearbeitet-280x300.jpg 280w, https:\/\/www.keinblatt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/4332030975_220ef3651a_b-Bearbeitet-624x666.jpg 624w, https:\/\/www.keinblatt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/4332030975_220ef3651a_b-Bearbeitet.jpg 896w\" sizes=\"auto, (max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-169\" class=\"wp-caption-text\">Erna M. lebt mit der DM und f\u00fcr die DM. Foto: Luigi Brocca \/ Lizenz: <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/2.0\/deed.en\" target=\"_blank\">CC BY 2.0<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Keinblatt.de sp\u00fcrte ihn auf, den wohl letzten Menschen in Deutschland, der von der Euro-Einf\u00fchrung noch nichts mitbekommen hat. Der Gedanke ist schwer zu ertragen, schlie\u00dflich \u00e4nderte sich mit der Bargeldeinf\u00fchrung des Euro vor \u00fcber zehn Jahren, genauer am 01.01.2002, nicht nur die Optik des Geldes, auch mussten die Leute die ersten Jahre mit einer saukomplizierten Formel den Euro-Wert in DM zur\u00fcckrechnen (das hei\u00dft mit 1,95583 multiplizieren), um sich an den neuen seltsamen Preisen orientieren zu k\u00f6nnen. Da sollte man davon ausgehen, dass das nach ein paar Wochen oder Monaten jeder, aber auch wirklich jeder mitbekommen hat.<\/p>\n<p>In einer Altbauwohnung in M\u00fcnchen Schwabing wohnt Erna M. (96). Wir danken dem Hausmeister f\u00fcr diesen wertvollen Tipp mit einem 50 Euro-Schein. Er lotst uns zu der Wohnung im Hinterhof. Mit etwas \u00dcberredungskunst und einem alten 50 DM-Schein gew\u00e4hrt uns die alte Dame schlie\u00dflich Einlass. Schnell kommen wir mit ihr ins Gespr\u00e4ch. Die r\u00fcstige Rentnerin versorgt sich trotz des fast biblischen Alters noch selbst.<\/p>\n<p>Ganz erstaunt reagiert Frau M., als wir sie auf die Euro-Einf\u00fchrung ansprechen. &#8222;Da legst di nieda!&#8220;, sagt sie. Zeitungen, Fernsehen und Radio verfolge sie nicht, da w\u00fcrde ohnehin nur ein &#8222;Riesen-Schmarren&#8220; verbreitet, so Frau M., mit Bargeld komme sie auch nur begrenzt in Kontakt. Die Augen, meint Frau M., &#8222;I sig so schlecht!&#8220; Beim Bezahlen reiche sie immer ihren Geldbeutel dem Kassenpersonal, welches das Geld entnehme, da m\u00fcsse man einfach Vertrauen haben. Aber, was ist mit den Preisen? Ihr m\u00fcsse doch aufgefallen sein, dass diese sich vom Nennwert stark ver\u00e4ndert h\u00e4tten. &#8222;Ja, da war mal was&#8220;, erwidert Frau M., da seien die Preise kurzzeitig mal unten gewesen. Da habe sie aber auf einen Schlag auch nur etwa halb so viel Rente bekommen, was f\u00fcr eine Sauerei. Da sich das aber ausgeglichen habe, habe sie nur ein paar Mal geflucht und die Sache wieder vergessen. Nach kurzer Zeit habe aber eine starke Verteuerung eingesetzt und schon bald seien wieder die alten Preise am Regal ausgezeichnet gewesen. Demzufolge k\u00f6nne es eine Euro-Einf\u00fchrung nie gegeben haben, kontert Frau M. schlagfertig, wenn da die ganzen Jahre DM-Preise gestanden h\u00e4tten. &#8222;Ist das versteckte Kamera? Kurt Felix?&#8220;, will die Dame wissen.<\/p>\n<p>Was sie denn w\u00e4hlen w\u00fcrde, fragen wir Frau M., es sei ja bald Bundestagswahl. &#8222;Ach, wissen Sie, diese Alternative f\u00fcr Deutschland&#8220; Das klinge doch gut, so Frau M., auf den Plakaten werben die f\u00fcr die Deutsche Mark. &#8222;Nicht, dass sonst mal irgendjemand auf die Idee kommt, eine neue W\u00e4hrung mit einem einfallslosen Namen einzuf\u00fchren. Oder gar eine Vereinigung mit dieser \u2026 na \u2026 DDR.&#8220; Wir beruhigen Frau M., dort gebe es selbstverst\u00e4ndlich noch die Ostmark.<\/p>\n<p>Wir danken Frau M. f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch und w\u00fcnschen ihr noch einen sch\u00f6nen Nachmittag!<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"vg\" style=\"display: none !important;\" hidden=\"\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/d870bf01842a4be4a13be9cdaa9bb952\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Keinblatt.de sp\u00fcrte ihn auf, den wohl letzten Menschen in Deutschland, der von der Euro-Einf\u00fchrung noch nichts mitbekommen hat. 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